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Frau Freitag, für unser Zuhause sind wir auf der Suche nach einer neuen Putzfrau. Putzfrauenvermittlungen haben wir ausprobiert und sind nur entschäuscht worden. Wo und Wie finden wir eine zuverlässige Putzfrau? Danke für die wertvollen Inputs. Estelle, 25

Liebe Estelle

Mit Putzfrauen ist es so eine Sache. Irgendwie ist es immer ein etwas leidiges Thema und das liegt, so denke ich zumindest, irgendwie auch in der Natur der Sache. Schliesslich geht es darum, dass man sich da jemanden anschafft, der einem den Dreck vom Hals schafft und das ist doch irgendwie immer mit seltsamen Gefühlen verbunden. Oder geht das nur mir so? Da kommt einmal die Woche eine Frau, meistens aus einer etwas anderen Welt und aus einem anderen sozialen Gefüge, und putzt hinter mir her. Kein Wunder, dass man sich da schwer tut, jemanden zu finden, der diese Aufgabe erledigt, ohne dass man sich dabei komisch vorkommt.

Und genau da liegt der Hund begraben, warum ich mit einer Putzfrau von einer Vermittlung auch nie werde glücklich werden. Ich hatte nämlich auch ein paar Vermittelte und habe es dann wieder aufgegeben. Das Problem ist doch, dass man einer Vermittlung so zwischen 30 und 40 Franken bezahlt, für eine blanke Stunde. Und im Gegenzug erwartet man auch eine Leistung, die dem Gegenwert von 30 bis 40 Franken entspricht. Aber dabei vergisst man, dass die Frau, die bei einem die Knochenarbeit verrichtet, unter dem Strich auch nicht mehr als öppe 22.- Franken auf die Stunde verdient und der Rest von der Vermittlung eingesackt wird. Die Agentur verspricht dafür, die Angestellten mit einem Vertrag einzustellen und die Sozialabgaben seriös abzurechnen, aber ich habe schon mehrfach davon gelesen, dass diese Gelder auf ominöse Weise verschwunden waren. Zusammen mit den Inhabern der Putzfrauenvermittlungen.

Womit ich auch schon beim nächsten Thema, nämlich bei der Schwarzarbeit, wäre. Es gibt kaum etwas, was mich mehr in Rage bringt, als wenn ich mich in meinem SP-affinen Umfeld nach einer Putzfrau umhöre und dann Telefonnummern zugesteckt bekomme von Ausländerinnen, die schwarz arbeiten. Es scheint noch immer ein Kavaliersdelikt zu sein, Menschen ohne Arbeitsvertrag und ohne Versicherungsleistungen arbeiten zu lassen. Und es kotzt mich doppelt an, wenn es von Personen begangen wird, die nicht nur mit der sozialen Demokratie sympathisieren, sondern die Partei sogar öffentlich vertreten. (Und falls Sie hier mitlesen, so kann ich Sie beruhigen. Ich werde Sie erst am Freitag nachmittag bei der AHV anschwärzen, es bleibt also noch etwas Zeit, es selber zu tun.)

Darum rate ich Ihnen, sich in Ihrem Umfeld umzuhören. Vertrauenswürdige Putzfrauen werden immer von Mund zu Mund weiterempfohlen. Diese werden Sie dann gefälligst zum gleichen Brutto-Tarif einstellen, wie Sie der Putzfrauenvermittlung bezahlt haben. Und die Sozialabgaben (12,1% der Lohnsumme für AHV/ IV/EO und ALV, sowie 5% für die Quellensteuer) werden Sie mit dem vereinfachten Abrechnungsverfahren abrechnen. (Die Hälfte der Abgaben können Sie der Arbeitnehmerin wieder verrechnen, wenn Sie möchten. Aber Sie müssen nicht.) Das ist keine Hexerei, das habe sogar ich Blondie hinbekommen und dann sollte es für all die intellektuellen Schöngeister auch machbar sein. Das Formular dafür können Sie hier ganz einfach herunterladen.

Ich wünsche Ihnen viel Glück bei der Suche nach der richtigen Putzfrau und Ihrer künftigen Perle wünsche ich eine faire Arbeitgeberin. Ihre Kafi.

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