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guten tag frau freitag. bald übernehme ich die erste führungsposition in meinem leben. ich habe lange darauf hingearbeitet und freue mich sehr. nun frage ich mich allerdings, was eine gute vorgesetzte ausmacht. was unterscheidet eine gute chefin von einer schlechten? Vielen Dank für Ihr Feedback! L.

Liebe Liselotte

Wenn ich mir überlege, welche Eigenschaften ich an Vorgesetzten schätze, so wird mir je länger je mehr bewusst, dass es in etwa die gleichen sind, die gute Eltern ausmachen. Gute Eltern sind nicht die besten Freunde ihrer Kinder und ein guter Chef will nicht zum Kumpel seines Teams werden. Kinder sowie Mitarbeiter wollen in erster Linie wissen, woran sie sind. Sie wollen die Verantwortung spüren, die man für sie trägt und aber auch die Gewissheit, dass man ihnen etwas zutraut. Gute Eltern und gute Vorgesetzte fördern die ihnen Anvertrauten und vergessen darüber auch nicht, Forderungen zu stellen. Sie erkennen Talente und Schwächen, sie loben und Sie tadeln, wenn es angebracht ist und sie haben den Mut, einen Streit zu schlichten. Sie stehen gerade für ihr "Team", aber auch für eigene falsch getroffene Entscheidungen.

Doch im Gegensatz zu Eltern dürfen und müssen sich Vorgesetzte ab und an auch von unfähigen Mitarbeitern trennen. Ein Chef, der wegsieht, wenn ein Teammitglied falsch spielt und wie ein Wurm den gesunden Apfel von innen aushöhlt, hat seine Position nicht verdient. Grenzen aufzeigen und angedrohte Konsequenzen auch umsetzen, anstatt immer nur ins Leere zu drohen machen Vorgesetzte wie auch Eltern erst richtig glaubwürdig. Und damit komme ich zur vermutlich wichtigsten Eigenschaft, die einen guten Chef (oder eine gute Chefin, ich meine selbstredend immer die weibliche und die männliche Form, bin aber leider zu faul, dies immer korrekt auszuschreiben) ausmachen, nämlich der Glaubwürdigkeit. Diese erlangt man erst, wenn man sich seiner eigenen Stärken und Schwächen im Klaren ist und auch bereit, sich ehrlich und mit heruntergelassener Hose zu reflektieren.

Mit Glaubwürdigkeit und der Bereitschaft zur Selbtreflektion ist es einem Menschen erst möglich, unbeliebte Entscheidungen, die eventuell weiter oben getroffen werden, an seine Mitarbeiter weiter zu geben, ohne deren Loyalität zu verlieren. Nur so kann ein Vorgesetzter eine Kultur schaffen, die getragen ist von gegenseitigen Respekt und frei von Angst vor Versagen.

Ganz herzlichen Gruss und guten Start in den neuen Job! Ihre Kafi

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