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Hallo Kafi. Ich arbeite im Verkauf, in einem teuren Fachgeschäft. Unsere Vorgesetzte verlangt von uns, dass wir lächeln. Nicht zwischendurch, sondern immer. Darf Sie das überhaupt? Kennst Du die gesetzliche Lage? Und ist das sinnvoll? Ich persönlich mag kein aufgesetztes Lächeln an anderen Menschen, darum habe ich Zweifel. Was denkst Du? Judith, 28

Liebe Judith

Ich bin ja keine Juristin, aber dennoch wage ich zu behaupten, dass das gesetzlich weder Hand noch Fuss hat. Dennoch begegne ich auch immer mal wieder Personen, die ein aufgesetztes Lächeln tragen, als wäre es Teil ihrer Arbeitsuniform. Ich kann mir drum sehr gut vorstellen, dass Sie nicht die einzige sind, die eine Chefin mit solch abstrusen Methoden hat.

Für mich ist ein Lächeln ein Geschenk, dass man nicht einfordern kann. Weder von der Vorgesetzten von ihrer Angestellten, noch als Kundin von einer Person im Verkauf. Konsumenten werden oft als doof eingestuft und so auch in Ihrem Betrieb. Schliesslich merkt ein Mensch in Sekundenbruchteilen, ob diese Geste von innen heraus kommt, oder antrainiert und aufgesetzt ist. In diesem Sinne könnte die Aktion sogar als Geschäftsschädigend eingestuft werden. Dennoch bin auch ich lieber von lächelnden Menschen umgeben, als von solchen, die einen Stein reissen und mir das Gefühl geben, ich sei mehr Belastung als willkommene Kundin.

Diese Atmosphäre spürt man sofort, wenn man ein Geschäft betritt. Man spürt, wie das Verkaufsteam über die Kunden denkt, man spürt, ob hinter vorgehaltener Hand schlecht über einen geredet wird. Selbst wenn man es weder hört noch sieht. Ich habe selber einige Monate in einem sehr edlen Geschäft in Zürich gearbeitet und mich gewundert, wie man die einbrechenden Verkaufszahlen und die katastrophale Angewohnheit, sich abfällig über die Kundinnen zu äussern, nicht in einen Zusammenhang gebracht hat. Das Klima wird von der Verkaufsleitung geprägt, ob es hervorragend oder mies ist. Es reicht längst nicht, ein Lächeln zu beordern, man muss eine wertschätzende Haltung leben. Jeden Tag.

Für Sie als Angestellte kann ich folgenden Tipp geben: Ihre Chefin werden Sie nicht ändern. Was Sie aber ändern können, ist die Freude an Ihrem Beruf. Tatsächlich macht der Arbeitsalltag mehr Spass, wenn man sich über seine Tätigkeit und den Umgang mit den Kunden freut. Wenn Sie mit einer positiven Einstellung an Ihren Job herangehen, werden Sie auch positives Feedback erhalten. Vielleicht nicht von den Vorgesetzten, aber auf jeden Fall von den Kunden. Und die sind es, die Ihren Lohn bezahlen.

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