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Hallo Kafi Wie geht das duzen richtig im Kunden-/ Dienstleisteralltag? Ich komme immer wieder in die Situation, dass ich mit gleichaltrigen Personen Termine habe und diese bediene (Hörgeräteakustikerin). Meistens merke ich, dass sich beide Parteien mit dieser Siezerei total unwohl fühlen. Für mich ist es aber klar, dass ich solange beim Sie bleibe, bis der König-Kunde mir das Du anbietet. Ist das verklemmt, sollte ich dies etwas lockerer sehen? Oder einfach so weiterfahren? Freundlichst Simi, 26

Liebe/r Simi

Spannende Frage, danke dafür! Diesbezüglich sind die Amis zu beneiden, diese Unterscheidung machen Sie in Ihrer Sprache ja nicht. Aber gell, was nützt es, wenn Du dann ein dummes Arschloch zum Präsidenten hast, das aber irgendwie duzen darfst... Bei uns ist es bedeutend komplizierter. Natürlich gibt es da klare Benimmregeln, aber meiner Meinung weichen sich diese mit dem Internetzeitalter je länger je mehr auf. Als ich kürzlich einem mir nicht persönlichen Herrn wegen eines beruflichen Anliegens auf Facebook kontaktierte und ihn dabei siezte, rügte dieser mich als Erstes und klärte mich darüber auf, dass das so auf FB nicht geht. Dass man sich gefälligst zu duzen hat. Das fand ich klasse und seither halte ich mich daran.

Gerade in Ihrem Alter, wenn man langsam dem saloppen "du" entwächst, aber noch nicht ganz ins formelle "sie" passt. Ich bin zwar ein Stück älter als Sie, aber hänge irgendwie auch noch etwas in dieser Grauzone fest und bin mir da auben auch nicht ganz sicher, muss ich Ihnen sagen. Und dann bin ich ja auch noch im höchsten Masse inkonsequent, oder aber höchst konsequent, je nachdem, wie man es betrachtet: Hier auf dem Blog sieze ich ja alle, in meiner Praxis duze ich dafür jede und jeden. Und überhaupt im Alltag, ich bin ein grosser Freund des Duzens und habe damit selten schlechte Erfahrungen gemacht und bis auf Menschen, die mindestens 30 Jahre älter sind als ich, duze ich fast jeden. Im Geschäftsalltag ist das Siezen ja grundsätzlich nie falsch und dennoch kenne ich die Situationen auch, die Sie beschreiben. Obwohl ich nicht damit gerechnet habe, dass es so viele Menschen gibt, die mit Mitte zwanzig bereits ein Hörgerät brauchen, aber das ist ein anderes Thema. Bei solchen Begegnungen hab ich dann immer schnell mal aufs du gewechselt. Oder einfach unkompliziert gefragt, ob das ok ist. Und es war immer ok, wenn man im ähnlichen Alter war. Und überhaupt, ist es doch eh immer der Ton, der die Musik macht. Lieber ich werde freundlich und charmant geduzt, als schnoddrig gesiezt.

Probieren Sie es doch einfach mal aus. Sie merken schnell, ob es ankommt, oder nicht. Und wenn Sie sich damit zu forsch fühlen, dann bleiben Sie doch auch in dieser Unsicherheit transparent und sprechen Sie es aus, indem Sie sagen, dass Sie sich mit der Siezerei unwohl fühlen. Meistens kommt Ehrlichkeit hier und überall am besten an.

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi Freitag

 

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