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Ich bin 31, habe schon viel tolles im Leben gemacht und erlebt, und dennoch kriege ich es nicht gebacken, einfach glücklich zu sein, sondern fühle mich nur als halbe Frau, da single und kinderlos. Wieso bewerte ich mich selber nach den gesellschaftlichen Vorstellungen, was eine 'gute' Frau ausmacht (nämlich Mama oder wenigstens liiert zu sein)? Wieso werden Frauen zwischen 30 und 40 plötzlich so konservativ, nachdem man vorher von Freiheit, Rebellion und alles anders machen geredet hat? Baps, 31

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Liebe Baps

Wissen Sie was? Sie können froh und dankbar drum sein, dass Sie 'Freiheit, Rebellion und alles anders machen' plötzlich in einem anderen Licht sehen. Denn bei Menschen ab Mitte Dreissig, für die 'Freiheit, Rebellion und alles anders machen' immer noch als das höchste der Gefühle gilt, wirkt es langsam aber sicher etwas gar peinlich und wenn ich ehrlich bin, auch furchtbar angestrengt.

Männer suhlen sich in diesem infantilen Lebensgefühl bedeutend länger als wir Frauen, aber sie können sich das leisten, tragen sie halt auch keine biologische Uhr in sich, die jährlich etwas lauter tickt. Gehen Sie mal etwas in sich und schauen Sie, ob der Kinderwunsch und die Sehnsucht nach dem Liiert sein von innen kommt, oder aber als Projektion von Aussen auf Sie fällt.

Wenn der Wunsch Ihr eigener ist, dann ist das doch vollkommen legitim, ihn auch zu verspüren, oder etwa nicht? Sie sind jetzt 31 Jahre alt und haben noch ein paar Jährchen vor sich, in denen Sie halbwegs problemlos schwanger werden können. Ab 40 wird es bedeutend schwieriger und die Chance auf Komplikationen dafür umso grösser. Es wäre also ihrer gesunden Beziehung zum eigenen Körper zu verdanken, dass sich der Wunsch nach einem Kind jetzt äussert und nicht erst in zehn Jahren.

Kann aber auch sein, dass Sie umgeben sind, von lauter schwangeren Frauen und happy Couples, die bei Ihnen den Wunsch nach Nachahmung wecken. Auch das wäre vollkommen ok, braucht man doch des Öfteren einen kleinen Anstoss von Aussen. (Allerdings muss Ihnen dabei immer bewusst sein, dass allzu juchzend glückliche Paare ganz oft nur einfach unsäglich gute Schauspieler sind, die dem Publikum nicht zugestehen wollen, dass es eigentlich doch nicht ganz so rund läuft, wie sie im Rahmen ihres ganz persönlichen Laientheaters gerne vorgaukeln...)

Falls Sie aber spüren, dass es nur darum geht, sich dem Lauf der Dinge um sich herum anzupassen und den Projektionen zu entsprechen, dann gilt es ebenso, nahe bei sich selber zu bleiben und dem eigenen Weg zu folgen. Mag dieser noch so eigen sein.

Es wäre zu kurz gedacht, all diese Gefühle und Gedankengänge als konservativ abzustempeln. Wir Frauen haben nun mal die Gabe, ein Kind zu bekommen. Ich weiss nicht, was daran unzeitgemäss oder bourgeois sein soll. Viel eher lohnt es sich, den Drang ewig jung und ewig ungebunden sein zu wollen, mal genauer zu hinterfragen. Diese Angst vor dem Erwachsenwerden und vor dem Verantwortung übernehmen ist so was von total unsexy und unreif. Das wird eigentlich nur noch vom verbissenen Trieb, alles anders machen zu müssen, getoppt.

Mit herzlichem Gruss. Ihre Kafi.

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