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Ich bin bald 30 und habe schon ein paar Kinder. Ich möchte noch mehr, schliesslich ist man nur einmal jung, aber es kommen keine mehr. Ich vermute, es liegt nicht an mir, und ein Bekannter würde mit mir den „Trick Abraham“ machen, also ich bekäme das Kind von ihm, würde das natürlich niemandem sagen. Mein Mann ist oft fort, er würde nichts merken. Gibt es sonst noch etwas, das ich bedenken muss? Ich hoffe, Sie finden das keine unpassende Frage. Dass mein name nicht veröffentlicht werden soll, ist ja logisch bei dieser heiklen Sache. Vielen Dank für Ihren Rat! Patricia, 29

Liebe Patricia

Es gibt ja die landläufige Meinung, dass es keine dummen Fragen gibt und wenn ich auch anders darüber denke, so bin ich immerhin überzeugt davon, dass es keine unpassenden Fragen gibt und in diesem Sinne danke ich Ihnen, dass Sie mich in Ihre Familienplanung mit einbeziehen.

Bestimmt haben Sie ein paar Blogeinträge von mir gelesen und mitbekommen, dass ich vielen Dingen sehr liberal, wenn nicht sogar freizügig gegenüberstehe. Mann vor dem Altar stehen lassen? Go for it! Freundinnen als Schlampen denunzieren, sich einladen lassen und dann doch alleine nach Hause gehen? Go for it! Fehler machen und sich selber verzeihen? Go for it! Und darum schreiben Sie mir in der Hoffnung, dass ich ebenso grossherzig sage: Sich von einem anderen schwängern, um die Kinderschar anwachsen zu lassen? Go for it!

Aber da muss ich Sie enttäuschen. Sie werden von mir keine Absolution dafür erhalten sich auf Kosten anderer zu verwirklichen. Dass Sie Ihrem Mann ein Kind von einem Anderen unterjubeln wollen, ist das eine. Was aber für mich viel schwerer wiegt ist die Tatsache, dass Sie sich ein Kind anschaffen (verzeihen Sie mir den Ausdruck, aber irgendwie scheint er mir hier passend) wollen, was dann mit dieser Lüge leben muss. Selbstverständlich würden Sie es dem Kind niemals sagen und Ihrem Mann auch nicht, aber SIE würden diese Lüge Ihr Leben lang mit sich tragen und das Kind würde es spüren.

Wenn Sie mir hier schreiben würden, Sie wären von einem anderen Mann schwanger und wüssten nun nicht weiter, dann wäre es eine andere Sache. Aber sie planen das ganze vorsätzlich und das gibt der Angelegenheit einen schalen Beigeschmack. Ausserdem schreiben Sie mir, Sie hätten bereits ein paar Kinder und wollten noch mehr, weil Sie nur einmal jung seien. Das kommt mir vor, wie eine entfernte 39-jährige Bekannte, die täglich Miniröcke trägt, mit der Begründung, dass 'man' das nach 40 nicht mehr tun kann. Der Vergleich mag einmal mehr hinken, aber irgendwie hinkt Ihre Motivation auch etwas. Ich finde Egoismus nichts stossendes und meistens predige ich ihn in meinen Antworten sogar, aber hier sind zu viele Menschen unfreiwillig involviert und das ist es, was mir daran nicht gefällt.

Für ein Kind ist es immens wichtig, eine Identität zu entwickeln und es hilft zu wissen, wer seine leiblichen Eltern sind. Adoptivkinder wissen das meist nicht und haben oft ein Leben lang damit zu kämpfen. Sie bauen darauf, dass sich das neue Kind nahtlos in die Familie integrieren und nichts davon merken wird. Aber Sie werden niemals vergessen, dass es eigentlich einen anderen Vater hat und sie werden diesen auch in seinem Gesicht erkennen und dies wiederum wird dem Kind nicht entgehen. Es wird merken, dass etwas an ihm anders ist, ohne dieses "anders" definieren zu können und ich kann mir gut vorstellen, dass dies einige Probleme nach sich ziehen wird.

Warum stellen Sie sich nicht einfach offen dem Thema und reden mit Ihrem Mann? Will dieser auch noch ein Kind oder klappt es nicht mehr, weil er keins mehr haben möchte? Und warum nicht einen Arzt aufsuchen und abklären lassen, woran es liegt und welche Möglichkeiten es gibt, nochmals schwanger zu werden?

Ich rate Ihnen mit klaren Worten von Ihrem Vorhaben ab. Bauen Sie sich nicht mit Kalkül eine auf Lügen basierende Zukunft auf, es wird sich rächen. Meine Erfahrung zeigt, dass jede wichtige Lüge ans Tageslicht kommt, es wird bei dieser nicht anders sein. Was werden Sie dann tun, wie werden Sie damit umgehen? Was wird es für den Rest Ihrer Familie bedeuten und was für das betreffende Kind? Bitte überlegen Sie sich das reiflich, bevor Sie einem so biblisch klingenden Trick auf den Leim kriechen.

Mit bestem Gruss. Ihre Kafi

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