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Liebe Frau Freitag. Als ich meinem werten Freund spasseshalber sein Smartphone entwendet habe - in einem Moment als er mir keine Aufmerksamkeit schenken wollte - (er war da aber dummerweise gerade an einem lebenswichtigen Schachzug) flippte er total aus und wir hatten einer der unsinnigsten und dämlichsten Streits in unsere Beziehungskarriere. Anschliessend hat sich niemand von uns für das jeweilige Verhalten entschuldigt, (wir sind aber immer noch glücklich zusammen ;-)) Kennen Sie solche Szenen? Finden sie es kindisch wenn man Regeln aufstellt wie: am Tisch und im Bett, keine Smartphones? Beim Kaffee trinken mit Freundinnen erlebe ich ebenfalls öfters mal, dass man für gefühlte Minuten ausgeblendet wird, währenddessen das Gegenüber irgendwas wichtiges Smartphoniges zu tun pflegt. Am liebsten würde ich dann ein Buch hervornehmen und nonchalant sagen: "Ich lese nur noch gerade das Kapitel fertig." Aber das hat wahrscheinlich nur im Kopfkino die gewünschte Wirkung. Alma, 26

Liebe Alma

Von Herzen danke für Ihre Frage, die Sie mir vor einiger Zeit schon geschickt hatten. Ich hoffe sehr, dass die Aussage "(wir sind aber immer noch glücklich zusammen)" noch immer zutrifft, sonst wäre das eine weitere Frage wert.

Aber nun zu Ihrer Frage, ob ich solche Szenen auch kenne. Und wie ich die kenne! Allerdings mit umgekehrten Vorzeichen, muss ich kleinlaut zugeben. In meinem Umfeld bin nämlich ich die mit der innigsten Beziehung zu ihrem Iphone und eher würde ich mein Kind Zuhause vergessen, als mein Handy. Aber ich habe mir Ihre Frage sehr zu Herzen genommen und meinen Umgang mit diesem Teufelsgerät überdacht. Was Sie beschreiben, geht nämlich gar nicht. Es kann nicht sein, dass einem Smartphone Vortritt vor einem echten Gegenüber eingeräumt wird. Ich konnte noch nie verstehen, wie man mich an einer Reception warten lassen kann, während man das Telefongespräch eines anderen Kunden entgegennimmt. Aber es geschieht fortwährend. Es scheint, als wäre ein Anruf immer dringlicher, als ein direktes Gespräch von Angesicht zu Angesicht und das war schon vor der ganzen Handymanie nicht anders.

Darum habe ich in letzter Zeit mein Handy ausgeschaltet, wenn ich mich mit jemandem treffe. Es mutterseelen alleine Zuhause zu lassen, kann ich uns beiden nämlich noch nicht zumuten, aber es ist ein Fernziel, auf das wir gemeinsam hinarbeiten. Dafür besuchen wir zusammen eine Paartherapie und versuchen, wieder einmal getrennte Wege zu gehen.

Die Lektion mit dem Buch hätte bei mir übrigens Wunder gewirkt! Schade eigentlich, dass bis heute keine Freundin dreist genug dafür war.

In diesem Sinne, danke für den unfreiwilligen Seitenhieb und ganz lieben Gruss! Ihre Kafi.

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