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Liebe Frau Freitag. Alle um mich bekommen Baby's! Vielleicht fällt es mir auf, weil ich insgeheim selbst diesen Wunsch hege. Erst vor 3 Jahren habe ich mein Studium erfolgreich abgeschlossen. Nun arbeite ich an meinem ersten Projekt, dass ich auch ganz durchziehen möchte. Das geht noch mind. 2 Jahre. Wäre da nicht dieser Wunsch...ich lebe in einer glücklichen Beziehung...Wie kann ich meinen Wunsch nach einem Kind UND einer Karriere unter einem Hut bringen? Die Uhr tickt... Herzlichst, Klara, 33

Liebe Klara

Schwer zu sagen, wie es dazu gekommen ist, aber seit einiger Zeit werde ich oft für Podien und Panels eingeladen, bei denen es um die Vereinbarkeit von Beruf und Kind geht. Es scheint, als sei ich ein attraktives Paradebeispiel für solche Zwecke. Das Thema ist ein grosses und ich könne damit anständig Geld verdienen. Ich könnte da hingehen und etwas darüber erzählen, dass es sich schon machen lässt und das doch alles eine Frage des Huts ist und überhaupt. Ich könnte bitzli auf Sheryl Sandberg verweisen und auf viele andere gut friesierte Beispiele, von denen es ja je länger je mehr gibt.

Aber wissen Sie was, liebe Klara? Der nächsten Person, die mich zu einem Anlass unter diesem Thema einlädt, haue ich eins in die Fresse. Und zwar fadegrad. Mich ärgert es zunehmend, dass man mit mit solchen Events den Frauen nur noch mehr das Gefühl gibt, vollkommen zu versagen. Es gibt die vielbesagte Vereinbarkeit von Karriere und Kind nämlich nicht wirklich, auch wenn das vielen nicht gefallen wird. Man kann als Frau nicht erfolgreiche Chirurgin sein und die Kinder aufwachsen sehen. Man kann nicht eine Grossunternehmung leiten oder einen Managerposten in einer Bank führen und gleichzeitig für die kranken Kinder da sein. Das ist zwar Scheisse, aber es ist leider Realität. Und die muss ich vielen Frauen, die zu mir ins Coaching kommen auf wenig bequeme Art und Weise klar machen. Frau kann nicht alles haben. Natürlich kann sie Kind und Managerposten haben, faktisch geht das durchaus. Aber nicht ohne Abstriche hier und oder dort. Eine Frau, die auf beides setzen will muss bereit sein, Abstriche zu machen. Das kann bedeuten, dass sie das Kind nicht so viel sieht, wie es ihr lieb wäre. Oder dass sie nie ins alleroberste Kader der Wirtschaft kommt, ohne die Kinderbetreuung an eine Nanny zu übergeben oder an den Partner, der Zuhause bleibt und den Haushalt schmeisst. Kinder zu haben bedeutet, Zeit zu haben. Auch wenn man sich noch so gut organisiert, kosten sie Zeit. 

Sheryl Sandberg 

 

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