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Liebe Frau Freitag. Entscheidungen fallen mir oft nicht ganz leicht... klar, oft weiß ich auch, was ich möchte, und muss nicht lang drüber nachdenken. Aber ab und zu wird es teilweise sogar quälend, wenn ich Gedanken über Entscheidungen hin und herwälze.. mein Freund meinte inzwischen schon zu mir, das sei behandlungsbedüftig; und ich verstehe ihn auch, es ist anstrengend, wenn sich ein anderer nicht so recht entscheiden kann. Vielleicht haben Sie ja einen Tipp für mich? Und obwohl ich weiß, dass es oft keine weltbewegenden Entscheidungen sind; und ich mir auch sage, dass ich nicht von mir erwarten muss, immer die absolut richtige Entscheidung zu treffen, stecke ich doch oft immer wieder im Entscheidungdilemma. Alina, 25

Liebe Alina

Ich konnte mich lange nicht entscheiden, ob ich Ihre Frage beantworten soll, oder nicht. Das dafür wurde gegen das dawider abgewogen und am Schluss musste ich dann doch eine Münze werfen, die seither unter der Vitrine liegt und mir für den Münzsammler der Waschmaschine fehlt! Seitdem quäle ich mich mit der Entscheidung, ob ich eine neue Münze besorgen und die Wäsche machen, oder alles wegwerfen und neue Kleider kaufen soll. Sie sehen selber, Ihr Problem ist mir bestens bekannt.

Nein, ernsthaft, ich finde Ihre Frage sehr spannend. Kürzlich wurde mir bewusst, dass ich in einigen Bereichen niemals Mühe habe, eine Entscheidung zu treffen, während ich mich in anderen sehr schwer tue damit. Man könnte nun meinen, dass es leichter fällt, wenn es sich um unwichtiges handelt und schwerer, wenn viel an der Entscheidung hängt. Aber es ist - zumindest bei mir - erstaunlicherweise genau umgekehrt. Darum stehen die gleichen Schuhe bei mir in diversen Farben herum und darum muss ich meine 833 Facebook Freunde befragen, wenn ich mich zwischen zwei Röcken nicht entscheiden kann. (Um am Ende dann doch beide zu kaufen...) Wenn es um Konsum im verdaubaren Rahmen geht, dann habe ich kaum eine Chance und muss mich mit allen Mitteln überlisten, damit ich eine Entscheidung treffen kann. Geht es aber um grosse Anschaffungen oder Entscheidungen, die mein Leben nachhaltig verändern, dann bin ich vollkommen klar und entscheide zügig und bleibe auch dabei.

Ich habe versucht zu ergründen, warum es sich bei mir so verhält. Aber es ist mir bis anhin nicht gelungen. Und ich bin eigentlich auch ganz froh darüber, dass es ist, wie es ist. Und nicht umgekehrt. Weil ich habe lieber 16 nahezu identische, rote Nagellacke im Schrank, als 4 Männer im Bett.

Aber nun endlich zu Ihnen. Sie schreiben auch, dass es sich oft um Entscheidungen handelt, die nicht weltbewegend sind. Und da möchte ich gerne anknüpfen. Es gibt nämlich kaum weltbewegende Entscheidungen, solange wir nicht der amerikanische Präsident oder Mahmud Ahmadinedschad sind. Was auch immer wir entscheiden, betrifft meistens uns selbst, auch wenn wir uns gerne vormachen, dass es den Rest der Welt auch tangiert. Wenn man eine Familie hat und für andere Menschen verantwortlich ist, sieht es natürlich wieder etwas anders aus. Aber Sie sind 25 und wie es tönt, kinderlos. Es spielt demzufolge kaum eine Rolle, wie Sie entscheiden. Wichtig ist nur, dass Sie entscheiden. Ob die Entscheidung richtig war, oder falsch, zeigt sich sowieso erst im Nachhinein und auch dann ist es schwer überprüfbar. Wer "falsch" entscheidet, geht vielleicht kurzfristig in eine "falsche" Richtung und kann dort grossartiges erleben. Wer nicht entscheidet, stagniert. Und wer entscheidet eigentlich darüber, was falsch und was richtig ist?

Mit diesem Wissen können Sie künftig sämtliche Entscheidungen mit dem Werfen einer Münze treffen. Wenn Sie Ihren Freund dabeihaben, bietet sich auch das 'Schere, Stein, Papier' Spiel an. Wenn Sie kein Kleingeld und keinen Freund dabeihaben, dann stellen Sie sich vor, dass Sie die eine Möglichkeit in der einen Hand und die andere in der anderen Hand halten. Meistens wird dann offensichtlich, welche schwerer wiegt. Unser Körper weiss oft die Antwort, bevor unser Hirn diese kennt.

Entscheidungen werden heutzutage kaum mehr in Stein gemeisselt. Der Beruf des Steinmetz hat an Popularität eingebüsst und Steine sind inzwischen Mangelware und müssen aus China importiert werden. Darum machen Sie sich, wo immer Sie können, das Leben einfach, statt schwierig. Fangen Sie am besten noch heute damit an und schauen Sie, dass Sie immer genügend Münz im Sack haben!

Alles Gute! Ihre Kafi.

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