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Liebe Frau Freitag. Ich arbeite mit einer Arbeitskollegin zusammen, welche ich als sehr mollig bezeichnen würde. Leider habe ich den Parkplatz gleich neben ihr zugewiesen bekommen. Sie braucht nun, damit sie ein- und aussteigen kann, auf der Fahrerseite sehr viel Platz. Um das zu erreichen parkiert sie nun ganz auf meiner Seite, manchmal steht ihr Wagen sogar noch teilweise auf meinem Parkplatz. Der nächste Parkplatz auf der anderen Seite meines Parkplatzes gehört dem Chef, und dieser fährt leider einen ziemlich grossen SUV. Ich fahre schon ein sehr kleines Auto und habe trotzdem kaum Platz zum Parkieren. Ich habe einen ersten Versuch, das Ganze zur Sprache zu bringen (gewaltfreie Kommunikation), gewagt, musste den Versuch jedoch abbrechen, da sie sehr empfindlich auf jegliche mögliche Kritik an ihrer Person reagiert. Hast Du mir einen Tipp, der mir das zukünftige Parkieren erleichtert, ohne dass ich zur Mobberin werde? Herzlichen Dank. Sonja, 37

Liebe Sonja

Vielen Dank für Ihre Frage, sie ist sehr spannend und lässt mich nicht mehr los. Zuerst habe ich nach praktischen Lösungen gesucht und diese auch gefunden. Aber dann wurde mir bewusst, dass der Hund eigentlich an einem andern Ort begraben liegt. Sie schreiben mir von der sehr molligen Arbeitskollegin und vom Bolzen fahrenden Chef. Sie schreiben mir auch, dass Sie versucht haben, mit eben dieser Kollegin zu reden. Von einem Gespräch mit dem Chef schreiben Sie nichts. Das stimmt mich nachdenklich und wirft bei mir folgende Fragen auf:

Was wäre, wenn die Kollegin nicht auf Ihrer Hierarchiestufe wäre (somit keine Kollegin), sondern eine Vorgesetzte oder gar die Besitzerin des Unternehmens?

Was wäre, wenn die Kollegin eine superschlanke Modell-Figur hätte und genau wie Ihr Chef ein SUV fahren würde?

Was bringt es, einem Menschen sein Gewicht vorzuhalten?

Ich möchte nun gar nicht damit anfangen, dass es Menschen, die von der Norm abweichen, in unserer Gesellschaft schwierig haben. Weil ich Ihnen nicht unterstellen will, dass Sie mit einer dicken Kollegin mit kleinem Auto anders reden, als mit einer dünnen mit SUV. Und trotzdem hat mich dieser Aspekt nicht mehr losgelassen. Sie mögen mich nun moralisch finden, aber das ist mir egal. Ich halte mich für eine disziplinfreie Zone und mit einer etwas anderen Veranlagung wäre ich vermutlich auch dick.

Nun will ich Ihnen aber auch die praktischen Tipps nicht vorenthalten, liebe Sonja. Schliesslich brauchen Sie eine Lösung, die sich umsetzen lässt. Also. Am einfachsten wäre es, wenn Sie rückwärts einparken würden und dann die Fahrertüren zueinanderstehen würden. Sie könnten dann ganz eng an die Beifahrerseite des Wagens Ihres Vorgesetzen fahren und der Platz zwischen Ihnen und der Kollegin sollte reichen, um aneinander vorbeizukommen.

Sie können sich ein Fahrrad kaufen und damit dafür sorgen, dass Sie niemals selbst zur molligen Kollegin von Anderen werden.

Oder aber Sie beginnen mit dem Chef eine Affäre und bringen Ihn mit aufregendem Sex dazu, Sie morgens ins Büro zu fahren.

Sie sehen selber, die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos und die Bandbreite der Lösungen ist schier unbegrenzt. Lassen Sie die Kollegin in Ruhe und werden Sie kreativ!

Einen sonnigen Tag und alles Gute, Ihre Kafi.

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