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Liebe Frau Freitag. Ich kenne meinen Mann jetzt schon über 6 Jahre und komme mit seinem "Cholerikertum" eigentlich relativ gut klar. Ich frage mich nur immer wieder, wie man damit umgehen soll, wenn, in diesen Momenten, der eigene Mann ein Fremder ist, den man verabscheut... Mein Mann trinkt nicht so oft. Aber wenn er dann mal trinkt, exzessiv. Ich kenne auch den Hintergrund, den Grund, warum er jeweils nicht stoppen kann, wenn genug wäre, das hilft mir auch noch ungemein beim besseren Verstehen dieses Verhaltens. Früher bin ich jeweils fast durchgedreht in diesen Momenten und habs teilweise noch persönlich genommen. Mittlerweile störts mich nicht mehr ganz so fest, aber ich merke, es kratzt mich schon immer noch. Weil, der Mann, der da sturzbetrunken ist, der ist nun mal einfach laut, stinkend, armselig und so total nicht er selber, wie er sonst ist. Nicht der Mann, in den ich mich verliebt habe. Nicht der Mann, der mich tröstend in die Arme nimmt, mich um Lachen bringt, der süss ist, wenn er mal ein bisschen sauer ist... der da, ist nur interessiert an sich selber. Abgrenzen und für sich selber schauen und dann kommt der nächste, bessere Tag. Ohne Schatten, so wie der heute. Wie geh ich am besten mit meinem Mann um in diesem Moment - emotional mein ich? Herzliche Grüsse, Linda Mariposa, 34


NACHTRAG VOM DIENSTAG, 13. MÄRZ: FRAU MARIPOSA, ICH HABE ES MIR ANDERS ÜBERLEGT. HIER IST NICHT IHR VERSTÄNDNIS GEFRAGT! WENN ER SIE NERVT UND ANPÖBELT,  SCHMEISSEN SIE IHN RAUS. MIT LIEBEM GRUSS, IHRE KAFI. (Meine Antwort direkt darunter hatte ich gestern noch mit hohem Fieber geschrieben und so liesst es sich heute auch für mich. Verzeihung.)


Liebe Frau Mariposa

Was Sie mir beschreiben, klingt wirklich anstrengend und auch etwas betrüblich und ich kann sehr gut nachvollziehen, dass es nicht ganz einfach ist, mit diesem Mann zusammen zu leben. Sie schreiben allerdings nichts von Gewalt oder Aggressionen gegen Sie und ich gehe mal davon aus, dass es diese dann auch nicht gibt. (Weil wenn es diese gäbe, dann müssten Sie sofort weg von ihm! Noch lieber heute als morgen.) Aber wie gesagt, gehe ich jetzt mal nicht davon aus und überdies beschreiben Sie ja noch einige andere, liebenswerte Seiten, die er auch noch hat und dass er nicht oft in diesem unsäglichen "Zustand" ist. Er scheint also die meiste Zeit ein netter Kerl zu sein und ab und an ein Arschloch, dass sich "begründet" volllaufen und dann gehen lässt. Das ist nicht schön, das gebe ich zu. Aber es gibt viele Menschen, die nach diesem Schema funktionieren und sich bisweilen betäuben müssen, um dann eine Weile wieder normal zu funktionieren. Ich habe dieses Prinzip noch nie wirklich verstanden, weil laut kann ich auch ohne Alkohol sein und stinken tu ich selbst nach 3 Flaschen Prosecco oder einer halben Beluga Vodka nicht. Aber es geht ja einmal mehr nicht um mich und eigentlich auch nicht um Ihren Typen, sondern viel mehr, wie Sie ihn dann aushalten können.

Grundsätzlich gibt es sicher sinnvollere Methoden, seine Probleme in den Griff zu bekommen, aber wir beide müssen hier nicht darüber diskutieren, wie viel es braucht, einen Mann auf die Psychiatercoach zu bringen. Meistens reicht ein einziges Messer am Halse des Gatten dafür nicht aus, sondern ein ganze Messerwerfer-Dynastie würde dazu benötigt und zaubern sie die, in politischen Zeiten wie diesen, mal aus dem Hut!

Darum würde ich dort ansetzen, wo SIE etwas verändern können und das ist vorallem bei sich selber und im Alltag. Sie könnten zum Beispiel in Kauf nehmen, dass es solche Tage gibt, wie sie an gewissen Tagen vermutlich auch unausstehlicher sein werden, als an vielen anderen... Oder ihn einfach ausquartieren. Er wird ja wohl kaum mutterseelenallein herum saufen, also soll er doch bitte schön seinen Rausch bei seinem Saufkumpel ausschlafen und erst wieder bei Ihnen antanzen, wenn er gesellschaftsfähig ist. Oder aber Sie stellen ein Kässeli auf und da kommt der Betrag rein, den er versaufen wird und sie gehen, sobald der Betrag ausreicht, für eine Nacht in ein Hotel und verbringen den darauf folgenden Tag in der Hotelsauna und kreuzen erst abends wieder auf. Oder hauen sich die Nacht mit einer Freundin um die Ohren und übernachten dann bei dieser. Das sind alles Dinge, die man tun kann, solange keine Kinder da sind um die man sich kümmern muss.

Ich nehme an, Sie verstehen meinen Ansatz. Lassen Sie ihm ab und an seinen Absturz und gehen Sie ihm dann aus dem Weg. Aber ohne zu leiden, das ist ganz wichtig! Unternehmen Sie etwas für sich und dann werden Sie sich viel weniger über ihn ärgern und er darf stinken, soviel er will. Bis Sie dann wieder Zuhause sind (oder aber er), ist er hoffentlich wieder der Alte und halbwegs handzahm.

Sie sind 34 und wahrscheinlich werde ich Ihnen nicht neues erzählen, wenn ich sage, dass es den perfekten Mann nicht gibt. Perfekt sind nur wir Frauen, darum stinken und schnarchen wir auch nicht nach einem proseccoschwangeren Abend. Wir sind höchstens unglaublich lustig und allerliebst beschwipst und putzen das Badezimmer selber, wenn wir dann doch mal reihern müssen, ob so viel Lustigkeit.

Alles Gute und lieben Gruss, Ihre Kafi.

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