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Liebe Frau Freitag, mich quält regelrecht die Frage: Wie finde ich raus, ob Kind ja oder nein. Ich habe Angst, dem Kind nicht gerecht zu werden und ehrlich gesagt auch davor, selber dabei vor die Hunde zu gehen oder noch schlimmer: keine Bindung zu ihm aufbauen zu können und bereits während der Schwangerschaft schon in Panik verfalle. Ich möchte einfach nicht die falsche Entscheidung treffen, sei des dafür oder dagegen. Derweil stelle ich es mir so schön vor, eine Familie zu haben! Aber der Anteil Angst überwiegt, nicht zu letzt weil fast alle frischgebackenen Mütter in meinem Umkreis - selbst die, die schon immer sicher wussten, dass sie ein Kind wollen! - eher depressive Stimmung verbreiten und meinen, wenn sie das gewüsst hätten, hätten sie es sich wahrscheinlich noch einmal überlegt... Man kann es einfach nicht ausprobieren, das ist vermutlich wie ein Sprung vom 10 Meter-Brett. Entweder - oder. Oder? Lieben Gruss und Dank. Kati, 32.

Liebe Kati

Wenn sich alle so viele Gedanken und Sorgen machen würden wie Sie, dann hätten wir nicht mit der Überbevölkerung zu kämpfen, sondern schon bald mit dem Gegenteil. Kinder sind anstrengend und Kinder können die elterliche Beziehung killen und Kinder rauben einem mit Sicherheit den letzten Nerv. Aber gleichzeitig geben einem Kinder auch etwas, was einem niemanden anders geben kann, nämlich einen verdammt guten Grund zu leben und eine sinnvolle Aufgabe, die viele weniger sinnvolle in den Schatten stellt.

Die Tatsache, dass relativ wenig Kinder in der Babyklappe landen, lässt zudem darauf schliessen, dass Sie zumindest die Angst um die fehlende Bindung vernachlässigen dürfen. Ich kann Ihnen garantieren, dass Sie vom Ausmass der Bindung überrascht sein werden. Und zwar kolossal. Ein Kind kann einem noch so zum Wahnsinn treiben und man würde jeden Anderen, der vergleichbares mit einem tut, umgehend an die Wand nageln. Nicht aber sein eigenes Kind, im Gegenteil. Dieses wird Sie zu einer Löwenmutter machen, die Sie in sich niemals vermutet hätten und Sie werden noch staunen, zu welchem Fauchen Sie imstande sind, wenn Ihr Spössling (angeblich) bedroht wird.

Wenn ich ehrlich bin, dann glaube ich allerdings nicht, dass meine Ausführungen Ihren Entscheid merklich beeinflussen werden. Sie klingen nach einem ausgesprochen kopflastigen Menschen und es wäre vielleicht sinnvoller, wenn Sie die Antibabypille nur noch jeden zweiten Tag schlucken, und damit das Schicksal entscheiden lassen würden. Oder aber Sie werfen eine Münze. Es gibt nämlich Dinge im Leben, deren Chancen/Risiken-Verhältnis sich nicht so einfach berechnen lässt, wie man es von einer Hausratsversicherung kennt, und da ist es manchmal besser, wenn frau sich überraschen lässt...

Recht herzlich, Ihre Kafi.

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