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Liebe Frau Freitag, zwei meiner besten Freunde (sie Anfang, er Mitte 20) sind ein Paar, und zwar eines der schlimmen klebenden Sorte. Je länger ich sie kenne, desto weniger können (und wollen) sie die Finger voneinander lassen, was die anderen Anwesenden oftmals peinlich berührt zurücklässt. In einer Gruppe kann man es weglachen, aber kürzlich musste ich von einem Treffen zu dritt geradezu fliehen, weil sich ihr Durchs-Haar-Fahren und Nackenstreicheln in ein Aufeinander-auf-dem-Bett-Liegen verwandelt hatte. Ich habe beiden zusammen sowie jedem einzeln gegenüber schon mehrmals angetönt, dass ich mir in der Öffentlichkeit etwas weniger Körperkontakt ihrerseits wünschen würde, doch bisher blieb alles erfolglos. Da Sie tatsächlich auf jede Frage Bescheid zu wissen scheinen, hoffe ich, dass Sie mir auch bei diesem Problem weiterhelfen können. Alina, 20

Liebe Alina

Die medizinische Forschung kann mittels des bildgebenden Verfahrens nachweisen, dass das Hirn frisch verliebter Menschen ähnlich neben der Spur läuft, wie wenn man sich anständig harte Drogen reinhaut. Da werden Dopamine ausgeschüttet, dass es nicht mehr schön ist. Und ausgeblendet, was nicht wirklich ins romantische Bild passt. Zum Beispiel Sie, liebe Alina. Das hat mit Ihnen nichts zu tun, nehmen Sie es drum bitte nicht persönlich. Und versuchen Sie es ja nicht mit Vernunft und dem Appellieren an den Verstand. Weil da ist zur Zeit keiner!

Die Liebe, sie macht töricht, dumm und spitz. Es ist drum sicher ratsam, die beiden für ein Weilchen zu meiden. Einfach so lange, bis die Hormone wieder im Normalbereich eingestellt sind und der ganze Wahnsinn etwas abklingt. Und das tut es - fast schon leider - immer irgendwann. Bei den einen nach 3 Monaten, bei den anderen nach spätestens 1,5 Jahren. Seien Sie so lange nachsichtig im Wissen darum, dass diese rauschartige Geistesstörung Sie auch einmal heimsuchen könnte und Sie dann auch froh sind, nicht für unmündig erklärt und unter Vormundschaft gestellt zu werden.

Ganz herzlich. Ihre Kafi.

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