FragFrauFreitag Logo

Liebe Kafi. Als erstes: Kompliment für deinen blog. Er ist sehr spannend und lehrreich, ich lese ihn immer gerne :) Nun zu meiner Frage: Wie denkst du über Organspende? Ich würde lieber nicht spenden, da ich nicht will, dass jemand an mir rumschnipselt wenn ich tot bin. Aber falls ich nur durch ein Organ nicht sterben müsste, würde ich das schon annehmen (falls jemand so selbstlos da draussen ist und sein Körper hergibt). Ist das jetzt sehr egoistisch, nicht geben, aber nehmen wollen? Darf man denn nicht im Falle von Leben und Tod auch ein wenig egoistisch sein? Danielle, 17

Liebe Danielle

Eine gesunde Portion Egoismus ist wichtig fürs Leben, mit Altruismus allein kommt man früher oder später unter die Räder. Nur blöd, wenn man trotz Egoismus unter die Räder kommt und dann keiner da ist, der nach seinem Tod die vom SUV zerquetschten Organe ersetzen will, nicht wahr?

Ich selber trage seit vielen Jahren einen Organspenderausweis auf mir und ich habe ihn auch dann nicht zerissen, als die Organspende in der Schweiz Anfang dieses Jahres wegen der Entnahme von Organen sogenannter NHBD Patienten (Non Heart Beating Donors, also Menschen, die einem Herz-Kreislauf-Stillstand erliegen) in die Kritik geriet.

Wenn ich wählen dürfte, so würde nach meinem Ableben keines meiner Organe und noch nicht mal meine Cellulite an Sie gehen, sondern ich würde den Vorzug einem Menschen geben, der ebenso zu Spende bereit ist, wie ich es bin. Das mag hart klingen und das ist auch richtig so. Denn es ist in der Tat hart, wenn Sie wegen eines schwächelnden Organs im Sterben liegen und ein Hirntoter im Zimmer nebenan seine gesunden Organe verweigert, weil er sich ein bisschen Egoismus gönnt und nicht an sich herumschnippseln lassen will.

In der Schweiz warten täglich etwa 1200 Menschen auf eine Organspende und Hunderte davon sterben jährlich, weil sich kein Spender findet. Die Anzahl Spenden sinkt von Jahr zu Jahr um ungefähr 10%, die Nachfrage steigt dagegen eher an. Mag sein, dass Sie diese Zahlen nicht so berühren. Wenn es aber plötzlich Ihr Vater oder Ihre beste Freundin ist, die da künstlich am Leben gehalten wird, bis sich ein passender Spender findet, werden Sie in Windesweile ein bisschen anders denken, das verspreche ich Ihnen. (Sie sind noch wahnsinnig jung. Darum sehe ich es Ihnen auch nach, dass Sie sich über Schnippseleien an Ihrem Leichnam Sorgen machen. Gerne würde ich mit Ihnen in 50 Jahren nochmals darüber reden und prüfen, ob Sie diese nicht bereits präposthum haben vornehmen lassen...)

Insofern bin ich auch eine Befürworterin der vielbesprochenen und umstrittenen Regelung, dass nur ein Organ erhalten sollte, wer auch zu einer Spende bereit ist. Sie können jetzt sagen, dass das auch eine Form des Egoismus ist und damit haben Sie mehr als Recht. Aber wie Sie bereits selber geschrieben haben: darf man denn nicht Im Falle von Leben und Tod auch ein wenig egoistisch sein?

Mit bestem Gruss. Ihre Kafi.

 

P.S. Vielen Dank für Ihr Kompliment, mit dem Sie in die Frage eingestiegen sind. Ich hoffe sehr, dass auch diese Antwort für Sie spannend und lehrreich war uns Sie noch heute einen Organspenderausweis von Swisstransplant ausdrucken!

 

 

 

© 2022, Kafi Freitag – Built with Gatsby