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Liebe Kafi, das liebe Leben. Oder wars das Liebesleben? Ich weiss grad gar nichts mehr. Seit gut einem Jahr bin ich, alleine mit 2 Kindern, mit einem Mann befreundet, der mich sehr bannt. Neben der Freundschaft gibt es eine ehrenamtliche Arbeit, die uns verbindet - er leitet den Laden, ich bin dazugekommen. Und, natürlich, um das ganze fest kompliziert zu machen: Vor einem Jahr war er in mich verliebt, hat sich aber dann zurückgezogen. Im Herbst hat es mich erwischt. Unerwartet heftig im Herz, im Kopf aber: Nein, das geht nicht. Ihm hatte ich davon erzählt, was einen völligen Rückzug - gegenseitig, schmerzlich für mich - zur Folge hatte. Nun habe ich im Januar, noch mit Hoffnung im Herzen, einen neuen Anlauf genommen, zur ehrenamtlichen Arbeit zurückzukehren - um festzustellen, dass er inzwischen mit einer Frau zusammenlebt. Autsch. Toben meinerseits (weil wir mal gesagt hatten, wir seien uns so nah, dass wir uns erzählen müssten, wenn eins eine Beziehung eingeht), alles hingeworfen. Nach vier Wochen die ehrenamtliche Arbeit (an der mir viel, sehr viel liegt - und ja, ich meine das von seiner Person trennen zu können) wiederaufgenommen. Und nun - will er mich in die Leitung miteinbeziehen. Meine lieben Mitmenschen, näher und ferner, greifen sich an den Kopf, dass ich diese Möglichkeit auch nur in Betracht ziehe. Mich reisst es hin und her zwischen: "Ich will ihn nie wieder sehen, das ist alles noch zu frisch." - und: "Naja, du hast Dich doch eh nie entscheiden können, Du bist gekränkt, aber das vergeht. Die Arbeit bleibt." Abgesehen von Teufelchen und Engelchen auf meinen Schultern (wobei ich nicht weiss, wer wer ist), mag ich keine Beziehungsabbrüche... Oh, und nein - gesucht wird jetzt, ich kann nicht ein Jahr zuwarten und dann einsteigen - das wär ja eine Lösung, die's so leider nicht gibt. Was meinst Du? Ich hänge noch sehr mit dem Herzen drin, kann man sich so abgrenzen, dass man das Kunststück hinbekommt? Einen lieben Gruss, und mit viel Vorfreude auf Deine Antwort. Flavia, 37

Liebe Flavia

Nein, ich glaube nicht. Sie müssten schon sehr abgebrüht sein, dass Sie die Herzebene genügend von der Kopfebene trennen könnten.Und so klingen Sie mir beim besten Willen nicht. (Gottseidank!)

Lassen Sie die Chance ziehen, im Wissen darum, dass meistens eine neue Tür aufgeht, wenn sich eine andere schliesst. Es gibt - gerade im ehrenamtlichen Sektor - soviele spannende Projekte, dass ich überzeugt bin, dass Sie ein anderes finden werden, dass Sie ebenso begeistert.

Lassen Sie los. Und zwar konsequent. Es gibt da draussen ungefähr dreieinhalb Milliarden andere Männer und mindestens soviele Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu betätigen.

Schauen Sie vorwärts und zwar sofort! Der Frühling kommt! Ich hab ihn vorhin um die Ecke huschen sehn!

Alles Liebe. Ihre Kafi.

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