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Liebe Kafi Freitag, ein guter Freund von mir (Name unwichtig) war kürzlich mit seiner Gattin bei einer Party; dort traf er auf eine alte Bekannte (sie war ebenfalls mit ihrem Gatten unterwegs), die sich alsbald auf einen wüsten Streit (es ging um eine Zigi) mit dem Türsteher einliess. Da sich mein Freund 1. prinzipiell nicht mit Türstehern prügelt, 2. der Türsteher ein richtiger Kasten war, 3. er nicht risikieren wollte, rauszufliegen und seine Gattin alleine zurückzulassen, mischte er sich nicht ein und beschränkte sich darauf, nach geschlagener Blitz-Schlacht (die sie, die Bekannte, natürlich verlor) ihre persönlichen Utensilien (die der Bekannten) einzusammeln. Nun warf ihm diese Bekannte aber in coram publico vor, sie schändlich im Stiche gelassen und verraten zu haben (Feigling, Versager etc.); und zu allem Elend kommt nun auch noch die Gattin des besagten unbekannten Freundes und wirft ihm vor, wie ein Schlappschwanz dazustehen. Mein Freund ist ratlos. Wüsstest Du Rat? Grüsse, Alex Baur, 51

Lieber Herr Baur

Ihre Frage hat mich sehr gefreut, wirklich. Weil ich manchmal, von Zeit zu Zeit, das Gefühl bekomme, das unsere Welt eine sehr kalte und trostlose geworden ist. Weil wir uns alle zu fruchtbaren Egoisten entwickeln, die sich keinen Deut um das Wohl ihrer Mitmenschen scheren. Aber dann kam ihre Frage und überzeugte mich im Handumdrehen davon, dass dem nicht so ist! Es gibt sehr wohl Menschen, die sich noch für ihre Mitmenschen interessieren und auch einsetzen, und Sie Herr Baur, sind einer davon! Anders als alle Fragenden vor Ihnen, stellen Sie nämlich nicht eine Frage, die Sie selber betrifft, sondern eine in der es um einen Vorfall geht, in den Ihr guter Freund, dessen Name unwichtig ist, verwickelt war. Und wissen Sie was, das gibt mir Hoffnung!

Sie sorgen sich um Ihren Freund und machen sich bestimmt vielerlei Gedanken darüber, wie er sich verhalten hat und wie er sich vielleicht hätte verhalten müssen, zumindest in den Augen der Gattin ihres Freundes, dessen Name unwichtig ist. Das ist sehr schön und wertvoll, Herr Baur und ich würde mir ehrlich wünschen, es gäbe mehr Menschen wie Sie, die sich noch mitfühlend und voller Empathie für die Sorgen und Empfindsamkeiten ihrer Freunde interessieren. Ich kenne nicht viele, die sich hingesetzt, und für das Wohl eines Freundes, dessen Name unwichtig ist, in die Tasten gehauen hätten! Im Gegenteil. Ich war sogar kurz der Meinung, ich wäre der einzige Mensch auf Erden, der so tickt wie Sie.

Ich bin nämlich auch eine so hilfsbereite und empathische Person, die sich immer wieder für ihre Freunde und Freundinnen, dessen und deren Namen unwichtig sind, geflissentlich interessiert und einsetzt. Speziell für den einen Freund, dessen Namen unwichtig ist, und für den ich immer mal wieder Hämorrhoiden-Salbe kaufen gehe, oder wenn es darum geht, meiner lieben Freundin, deren Name unwichtig ist, Zäpfchen gegen ihren Scheidenpilz zu besorgen.

Anteilnahme und Einfühlungsvermögen sind wichtige Werte, die in der heutigen Zeit leider immer mehr in den Hintergrund gedrängt werden. Darum danke ich Ihnen von ganzem Herzen für Ihre Frage und Ihr engagiertes Handeln, was Ihren Freund betrifft, dessen Name unwichtig ist. Bitte machen Sie weiter so!

Mit herzlichen Grüssen. Ihre Kafi.

 

P.S. Rauchen ist gefährlich. Das zeigt sich hier einmal mehr.

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