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Liebe Kafi Freitag. Vorweg einmal, Ihre klugen und witzigen Antworten stellen mich auf und machen mich durchaus fröhlich. Seit einiger Zeit bin ich Single, ich geniesse es und bin auch nicht auf der Suche. - Zumindest sage ich mir das so. Oft bin ich unter Menschen oder alleine mit mir selber und bin zufrieden. Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich noch sehr jung bin und noch viel Zeit habe, aber dieser Satz hilft mir leider gar nicht - Im Gegenteil! Ich sehe wie verliebt meine Freundinnen sind, wie sie mit jemanden über Socken und Politik streiten können und da merke ich, wie gerne ich auch jemand hätte! Ich wünsche mir keinen Prinzen, der mich mit romantischen Abendessen und Rosen und anderen Ideen die uns die Romantik - Industrie täglich serviert, überhäuft. Vielmehr jemand der sich über meine Rechtschreibfehler aufregt, der meine Leidenschaft für Traktoren hinnehmen kann und akzeptiert das ich von morgens bis abends im Theater bin. Und ja, mir beim Einschlafen eine Geschichte erzählt! Vielleicht ist dass schon zu viel verlangt? Dies könnte ich alles hinnehmen und mich weiterhin in Geduld üben, wenn ich mich nicht ständig in missliche Lagen bringen würde: Familienväter, Gestrandete, Fernbeziehungen, Vergebene und schlussendlich bleibe ich oft das kleine nette Abenteuer und bleibe alleine zurück. Ich zweifle manchmal daran, irgendwann einem Menschen zu treffen, der sagt: Ich will mit dir Zusammensein! Liebe Frau Freitag, wie gehen Sie mit dem zufriedenen alleine sein um, trotz aufkeimender Sehnsucht? Durch ihre grössere Lebenserfahrung: Kommt irgendwann wirklich jemand? Und wie handhaben Sie es mit den manchmal aufkommenden Selbstzweifeln? Danke! Flurina, 21

Meine süsse Flurina

Was habe ich mich in Sie verliebt, als ich Ihre Worte las und darum komme ich nicht umhin, Sie zu meiner Valentinstag-Frage zu küren!

In meinen Augen sind Sie die perfekte Frau und wenn ich ein Mann wäre, ich würde basierend auf Ihren Schreibfehlern eine neue Rechtschreibereform ausarbeiten, würde mich in "Ihrem" Theater als Requisite einschmuggeln, mich berufsbegleitend zum Traktor-Mechaniker ausbilden und mich von Trudi Gerster adoptieren lassen.

Aber ja, leider bin ich kein Mann. Und ich weiss aus eigener Erfahrung, dass die meisten Männer Perlen nicht als solche erkennen können, selbst wenn diese dicht vor ihnen stehen. Aber glücklicherweise gibt es einige wenige, die das Auge dafür haben und darum sollten Sie nicht aufgeben. Sie sind wirklich noch sehr jung und darum stehen die Chancen sehr gut, dass sie dem Perlentaucher noch über den Weg laufen werden. Ich hoffe sehr, dass Sie diesen dann auch erkennen, weil oft sind diese Exemplare etwas unauffälliger und weniger laut unterwegs, als die nach Trophäen jagenden Kollegen.

Ihre aufkeimende Sehnsucht dürfen Sie bis dahin aber auch mit einem charmanten Perlenunkundigen stillen, der sie mit Industrie-Romantik verwöhnt, sind Sie doch zu jung, um Ihre Jugend mit Warten zu verbringen! Und was die Selbstzweifel angeht, so glaube ich, dass sie zu jedem mental gesunden, halbwegs reflektierten Menschen dazugehören und man lernen sollte, darin zu schwimmen, anstatt darin zu ertrinken.

Bleiben Sie sich treu und wachsam, ich bin sicher, dass Ihr Glück Sie finden wird! Und wenn es noch etwas dauern sollte, so können Sie in der Zwischenzeit mit mir über Socken und Politik streiten, ich streite nämlich furchtbar gern und dies sind zwei grossartige Themen dafür!

Kopf hoch Kleines! Alles Liebe und Kuss! Deine Kafi.

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