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Liebe Kafi. Haben Sie ganz herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort zu meiner Frage. Allerdings muss ich mich bei Ihnen entschuldigen. In aller Form und mit dem dazugehörenden schlechten Gewissen. Denn meine Schilderung war nicht vollständig und es geht nicht an, Sie um Rat zu beten und gleichzeitig nicht die volle Wahrheit zu erzählen. Gerne möchte ich anmerken, falls dies nun überhaupt noch irgendwie von Belang sein sollte: ich glaube, dass Ihr Rat – basierend auf Ihrem bisherigen Wissenstand – vollkommen richtig war (und ist). Es ist so, dass da eine ganz wunderbare Frau, mein Herz im Sturm erobert hat. Vollkommen unerwartet, ja unverhofft. Wir kannten uns vorher schon, allerdings weder wirklich persönlich noch allzu lange. Projektarbeit halt, Sie wissen schon. Irgendwie – und nein, das ist keine Koketterie meinerseits, sondern schlicht wirklich so passiert – kamen wir uns näher und knutschten. Was nicht schlimm sein sollte. Aufregend natürlich, ja. Aber auch ungefährlich und ohne jegliche Absichten. Dummerweise passierte aber doch mehr in unseren Herzen als erwartet. Fulminant! Auch Wochen nach unserem ersten Kuss, der ersten Nacht und unendlich vielen Worten, Gesten und Blicken, kann ich keinen Moment nicht an sie denken. Möchte ich diese geradezu unglaubliche Frau in meiner Nähe wissen und kann mir eine Zukunft ohne sie nicht wirklich vorstellen. Ihr, die sie übrigens ebenfalls in einer stabilen Liebesbeziehung ist, geht es gleich mit mir, wie mir mit ihr. Wir finden beim besten Willen, keinen triftigen Grund gegen unsere Liebe. Auch nach dem mehrmaligen Besprechen meiner Familiensituation, unserer Zukunftspläne und unserer Träume. Wir scheinen im eigentlichen Sinne eine wunderbare Konstellation zu sein. Und – obwohl ich ihr gegenüber solch grosse Worte noch nicht aussprechen möchte – ich glaube sie zu lieben. Nein, eigentlich weiss ich es sogar: aus der Tiefe meines zugegebenermassen etwas verwirrten Herzens. Technisch gesehen führen wir momentan – wie Sie sicher einwenden werden – die von Ihnen beschriebene Affäre. Was schrecklich unseren Partnern gegenüber ist und uns auch entsprechend belastet. Darf ich Ihnen – mit diesen zusätzlichen Informationen – nochmals dieselbe Frage stellen? Wie weit darf ich als Vater, mein ganz persönliches (Liebes-)Glück in den Vordergrund rücken? Ist es legitim zu glauben, dass ein glücklicher Vater, der aber von der Mutter getrennt lebt, seinen Kindern finalmente ein besserer Vater ist, als ein Vater, der seiner Familie zuliebe mit seiner Frau unglücklich vereint ist? Bitte entschuldigen Sie meine initiale Lüge Ihnen gegenüber. Herzlichst, Stefan

Lieber Stefan

Da haben Sie mal kurz der Frau Freitag geschrieben in der Hoffnung, dass diese einmal mehr laut und deutlich sagt: "Go for it baby!" Aber einmal mehr werde ich genau dies nicht tun.

Sie haben sich bereits in die Wiederholungsschleife begeben und den kurzen, und auf den ersten Blick, einfacheren Weg gewählt. Das ist keine Kunst. Wenn man zu Hause einen Haushalt mit zwei Kleinkindern zu führen hat, dann verliebt man sich auch in einen Staubsauger, wenn er einem nur lang genug schöne Augen macht und die lang ersehnten Worte ins Ohr säuselt, die man von der eigenen Frau nicht mehr zu hören bekommt.

Sie machen es sich wahnsinnig einfach, Stefan. Und mich spannen Sie ein, damit ich das Ganze noch absegne.

Sie können von der neuen wunderbaren Frau herumsülzen, wie Sie wollen. Wenn Ihnen zwei kleine Kinder und eine bestehende Beziehung kein bisschen triftiger Grund genug dafür sind, darum zu kämpfen, dann ist es vielleicht wirklich besser, wenn Sie Ihre Familie verlassen.

Ich kann Ihnen nur folgenden Rat mit auf den Weg geben: Lassen Sie sich nicht erweichen, dieser neuen geradezu unglaublichen Frau ein Kind zu machen. Weil sonst stehen Sie in spätestens 4 Jahren wieder am selben Punkt. Und wenn Sie es denn doch tun, schreiben Sie mir bitte nicht wieder eine geschönte Frage, die einen Ablass nach sich ziehen soll.

Diese Art von Lebensberatung erhalten Sie bei ESO.TV auf 3+. Da bekommen Sie für 4.50 Fr. / Minute genau das gesagt, was Sie hören möchten. Und dort gehört Ihre Teenieschwärmerei eigentlich auch hin.

Alles Gute. Vor allem Ihrer Frau und Ihren Kindern. Ihre Kafi.

 

P.S. Und nein, ich bin keine sitzen gelassene Mutter, die ihre Rache jetzt an Ihnen auslebt. Ich bin nur ein Mensch, der findet, dass man um eine Familie kämpfen sollte, anstatt sich Hals über Kopf in ein neues Projekt zu stürzen, ohne Rücksicht auf Verluste und nur mit dem eigenen Liebesglück vor Augen.

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