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Liebe Kafi, ich schreibe dir, weil ich weiss, dass du mir bestimmt weiterhelfen kannst. Ich benütze Facebook erneut seit ca. 3 Monaten und meinem Gatten gefällt das überhaupt nicht. Ich hänge wirklich seit ca. 3 Wochen leidenschaftlich im Facebook fest. Auf die Gründe möchte ich nicht eingehen, denn ich kenne mich sehr gut und weiss, dass in 2 bis 3 Wochen mein Facebook-Fieber auf "normales" Benutzerniveau sinken wird. Nun hat aber mein lieber Gatte einen Weg gefunden, dass er meinen Account einsehen konnte und macht mir deswegen die Hölle auf Erden. Indem ich gefälligst zuerst für die Familie zu sorgen und die Hausarbeiten gewissenhaft zu erledigen hätte, sonst kündige er das Internetabo und droht auch mit Scheidung. Mein Gatte und ich sind seit 1989 zusammen, seit 1997 verheiratet und haben zwei wunderbare Kinder, 5 und 9 Jahre alt. Es ist überhaupt keine harmonische Ehe, die wir führen. Ist und war es nie, aber wir hatten gemeinsam so viele Hochs und Tiefs erlebt, die uns zusammenkitten und die ich nicht vermissen möchte. Das Leben ist, wie es ist. wie Aktion und Reaktion. Eine Scheidung steht für mich gar nicht zur Debatte und auf die nächsten 2 bis 3 Wochen Facebook will ich keinesfalls verzichten. Diskussionen bringen uns leider nicht weiter. Was rätst du mir, wie soll ich fortfahren? Liebe Grüsse, Silvia, 47 Jahre

Liebe Silvia

Sie sind mir ja eine glatte, Sie. Ich bin ja erst seit kurzem wieder fieberfrei, aber dass Sie auf die Gründe für Ihre Facebook-Leidenschaft nicht eingehen möchten und da was nicht ganz koscher ist, das hätte ich selbst mit meinen gehabten 39,8 Grad durchschaut. Da techteln und mechteln Sie also auf FB rum und der aufmerksame Gatte legt sich voll ins Zeug und kommt der Schose auf die Spur. Ganz schön blöd, das muss ich zugeben. Aber entweder sind Sie auch ganz schön naiv, zu denken, dass der Flirt in den besagten zwei bis drei Wochen abgekühlt sein wird, oder aber Sie haben soviel Routine, dass Sie ihre zurückliegenden Affären empirisch auswerten können.

Wie dem auch sei, das Problem ist nicht Facebook und das wissen Sie genau. Sie suchen nach einer netten Zerstreuung und die würden Sie auch anderswo finden, wenn es denn sein muss. Und anscheinend muss es sein, sonst würden Sie es ja bleiben lassen. Schliesslich droht Ihr Mann mit Scheidung und Ihre einzige Sorge ist, die nächsten Wochen ohne Internetzugang zu überstehen.

Ich kann Ihnen darum nur raten, einen ehrlichen Blick auf Ihre Ehe zu werfen. Sie haben zwei Kinder und sind schon eine ganze Weile zusammen und das wirft man nicht so einfach über den Haufen, das ist nachvollziehbar. Sie können in der Situation verharren und sich einen Liebhaber suchen oder meinetwegen auch ein paar. Wenn es auskommt, haben Sie ernsthaften Ärger, das hat Ihr Mann mit unmissverständlicher Deutlichkeit angekündigt.

Darum weiss ich nicht, welchen Rat Sie sich von mir erhoffen. Wollen Sie von mir hören, wie man seinen Mann betrügt, ohne dass dieser es merkt? Ich habe darin keine Erfahrung, weil ich es nie praktiziert habe. Es wäre mir ehrlich zu anstrengend und mich überfordert die Wirklichkeit ja schon, wie sollte ich mir da noch glaubhafte Lügengeschichten merken können? Sie haben es nicht geschafft, Ihr FB-Account vor ihm zu schützen, wie wollen Sie da die Schäferstündchen in den anonymen Hotels der Agglomeration vor ihm geheim halten?

Verstehen Sie mich richtig, ich finde einen Liebhaber eine feine Sache um sein Leben kurzfristig etwas aufzupeppen. Aber es ist schnell mal ausgepeppt, wenn Ihr Mann Lunte riecht und das hat er bereits, sonst würde er nicht Ihr Account bespitzeln. Sind Sie sich dessen also bewusst, bevor Sie mit einem Fremden unter der Decke stecken. Aber vielleicht wollen Sie ja entdeckt werden und riskieren darum so viel, für drei Wochen Facebook. Vielleicht ist die Halbwertszeit Ihrer Beziehung um und Sie möchten eine Veränderung provozieren. Auch das wäre verständlich, aber dann würde ich Ihnen raten, es mit Würde und Respekt zu tun. Sie haben zwei Kinder und müssen vor den beiden gerade stehen für Ihr Tun. Sie dürfen sich trennen, wenn die Beziehung am Nullpunkt ist, aber Sie sagen ja deutlich, dass das für Sie nicht zur Debatte steht. Darum frage ich Sie ehrlich, was zum Teufel wollen Sie genau?

Oder liege ich vollkommen falsch und Sie sind einfach nur hoffnungslos Facebook-süchtig, müssen jeden Stuss liken und jede Belanglosigkeit kommentieren und vernachlässigen darob Haus und Herd? Dann nehme ich alles zurück und mahne Ihren Mann zur Grosszügigkeit für die kommenden drei Wochen. Sollte er seine Drohung wahr machen und die Scheidung einreichen, so können Sie froh sein, ihn nicht mehr am Hals zu haben. Kündigt er den Internetzugang, so würde ich mit neuen Schlössern kontern.

Etwas ratlos, Ihre Kafi.

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