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Liebe Kafi. Mein Freund ist furt. Die Sonne geniessen für drei Monate. Ich treff ihn sogar in der Mitte für einen Monat und bin eigentli auch nicht grad die, die ihrem Mann nachweint. Doch jetzt schieb ich die ganze Zeit bizli Krise und vermisse ihn uh fest. Wir sind auch nicht erst seit gestern zusammen und haben eine stabile Beziehung. Doch jetzt geh ich voll paranoid die ganze Zeit sein Facebookprofil stalken obwohl gar nie etwas passiert, weil er ja logischerweise Anderes zu tun hat als sein Status upzudaten :). Ich hab nicht mal wirklich Angst, dass er sich eine Andere sucht oder dass dieses ganze Reisending irgendwie schlecht ausgeht für uns. Aber trotzdem find ich das ganze doof . Und da grad noch Semesterprüfungen sind, muss ich zuhause sitzen und lernen und kann mich somit nicht mal ehrlich ablenken. Da du, liebe Kafi immer weisst was zu tun ist, sag mir doch wie ich diese, ich weiss, nur noch sehr kurze Zeit, am besten töten kann. Herzlichst, Lara 23

Meine liebe Lara

Vielen Dank für Ihre Frage. Mal sehen, ob ich Ihnen irgendwie weiterhelfen kann, aber ich denke schon.

Sie haben nämlich grosses Glück, liebe Lara. Wissen Sie das? Sie haben einen Menschen, den Sie vermissen, auf den Sie sich freuen können. Und Sie scheinen ihn wirklich sehr gern zu haben, weil sonst würde sich die Frage ja gar nicht stellen. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber ich mag es sehr gern, wenn ich jemanden vermissen kann, im Wissen darum, dass diese Person nicht für immer weg ist. Ich mag das Ziehen im Herzen und ich mag es zu merken, wer es bei mir auslöst. Diese Gefühle können nur entstehen, wenn eine räumliche Distanz zwischen einem ist, sie verstecken sich bei ständiger Nähe.

Demgegenüber steht das Kontrollieren seines Facebook Profils. Ich liebe diese Plattform für so viele Dinge. Doch dafür hasse ich sie! Sie macht es einem so einfach, in eine anständige Paranoia zu geraten und man muss noch nicht einmal viel dafür tun. Ich weiss ganz genau, wovon Sie reden.

Darum möchte ich Ihnen folgendes an Herz legen, Lara. Bleiben Sie in dieser Zeit des Sehnens nahe bei sich. Vergessen Sie Facebook, es macht Sie nur krank. Sie schreiben selber, dass Sie sich nicht sorgen brauchen. Vertrauen Sie darauf! Machen Sie ganz einfach Sachen, die Sie sonst nie tun. Ihr Freund ist wo anders und hat es einfacher. Derjenige, der weg ist, wird von der Tatsache des Wegseins allein schon besser abgelenkt. Darum liegt es in der Natur der Sache, dass derjenige, der Zuhause bleibt, in einen Wartemodus fällt. Dagegen können Sie etwas tun, indem Sie selber etwas erleben. Sie schreiben zwar, dass Sie Zuhause sitzend lernen müssen. Aber vielleicht können Sie das ja auch in einer Badi tun, oder am See. Und zwar jeden Tag an einem anderen Platz. Entdecken Sie die Stadt, in der Sie leben, neu. Besuchen Sie neue Quartiere, trinken Sie jeden Tag in einem anderen Lokal einen Kaffee. Und wenn Sie auf dem Dorf leben, dann fahren Sie in die nächste Stadt und seien Sie selber Tourist.

Leben Sie Ihr Leben! Es ist noch da, auch wenn Ihr Freund weg ist. Und freuen Sie sich wie ein Kind darauf, Ihn dann an diesem exotischen Ort wieder zu sehn. Und töten Sie Facebook, anstelle der kostbaren Zeit, die Sie ausnahmsweise für sich selber haben!

Kopf hoch, es ist Sommer! Alles Liebe und Gute, Ihre Kafi.

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