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Liebe Kafi, Meine Freundin hat im letzten halben Jahr massiv zugenommen. Bereits früher war ihr Gewicht immer ein Auf und Ab (ich kenne das selbst auch). Die jetzige Veränderung finde ich aber extrem. Ihr Gewicht ist für sie ein hochemotionales Thema. Sie hat bereits verschiedenste Diäten hinter sich und war auch schon bei einem Ernährungspsychologen. Ich würde sie nun gerne auf die Gewichtszunahme ansprechen und sie allenfalls unterstützen - doch wie kann ich das machen ohne sie zu verletzen? Eva, 25

Liebe Eva


Ihre Frage rührt mich sehr. Sie gehen sehr sorgfältig und liebevoll mit den Problemen Ihrer Freundin um. Und trotzdem ist es schwierig, nicht in ein Fettnäpfchen zu treten. Die meisten Frauen in meinem Umfeld reden offen über das ewige auf Diät sein, da ist es einfacher, ins Gespräch einzusteigen. Aber wenn die betroffene Person es nicht von sich aus anspricht, ist die Hürde tatsächlich ein Stück höher. 

Das Traurige ist, dass keine einzige Diät wirklich was bringt. Es ist ein endloses Kasteien ohne grosse Resultate. Denn das Problem liegt in der Regel nicht auf dem Teller, sondern steckt im Kopf fest. Die Art und Weise, wie wir über uns denken, gibt vor, wie wir aussehen. Solange man böse und abwertend über sich denkt, bleibt man übergewichtig oder nimmt sogar trotz Diät noch mehr zu. Warum das so ist? Weil man den ganzen Tag "Ich bin fett!" denkt und der Körper dann genau das umsetzt. Neuste Studien der Epigenetik wollen nachweisen, dass sich Zellen und die DNA verändern können, je nachdem wie wir über uns denken und uns behandeln. Die Ausrede, dass man nun mal so veranlagt ist und nichts dagegen tun kann, wird es wohl nicht mehr lange geben. Die Forschung in diesem Bereich der Biologie ist noch sehr jung. Aber ich bin auch davon überzeugt, dass wir uns mit unserem Denken mehr beeinflussen, als uns bewusst ist. 

In meiner Praxis arbeite ich sehr oft mit Menschen mit Gewichtsproblemen. Die meisten kommen zu mir und wünschen sich eine Hypnose und eine möglichst schnelle Lösung. Aber das kann ich leider nicht bieten. Die Idee, dass man sich einfach bitz hinlegen kann und dann alles von selber geht, ist leider zu schön, um wahr zu sein. Im Gegenteil, meistens ist die Arbeit umfangreicher, weil Übergewicht fast immer die Reaktion auf eine Verletzung ist. Die eine Person wird dick, weil die Mutter eine sehr dünne Person ist und man sich unbewusst mit dem Übergewicht gegen ihre Wertvorstellungen auflehnt. Eine andere leidet an Übergewicht, weil die zusätzlichen Kilos sie  gegen sexuelles Begehren schützen sollen. Es gibt viele Gründe in diese Richtung, den wenigsten sind diese aber bewusst.

Wenn man nun immer nur am Gewicht selber arbeitet, ist das wenig nachhaltig, da die Probleme viel tiefer liegen. Wichtig ist darum, dass man herausfindet, was genau verletzt wurde. Das können Dinge sein, die einem als kleines Kind widerfahren sind, oder vielleicht in der Pubertät, beim ersten Kontakt mit dem anderen Geschlecht. Oftmals ist es erstaunlich, wie lange die Auslöser zurückliegen. Ich höre oft Sätze wie "und dann ist mal dies und jenes passiert, aber das hat nichts damit zu tun, das ist schon ewig her". Aber allein die Tatsache, dass jemand über etwas spricht, ist Beweis genug, dass genau dort der Hund begraben liegt. 

Es ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, diese Fragen als Freundin zu begleiten. Den meisten Menschen ist es zu persönlich, um es mit einer nahestehenden Person zu besprechen. Dennoch fände ich es schön, wenn Ihre Freundin wüsste, dass Sie eine gute Zuhörerin für diese Themen wären. Vielleicht gelingt es ihr, sich Ihnen gegenüber zu öffnen und dann ist schon ein grosser Schritt getan. Ansprechen würde ich das Thema möglichst direkt und ohne befangene Umschweife. Es ist meistens peinlicher, wenn man lange um den heissen Brei herumredet. Schliesslich macht man das Thema dann noch wichtiger und pikanter, als es eigentlich sein müsste. Sagen Sie ihr doch einfach, dass Sie merken, dass sie sich Sorgen macht und dass Sie da sind, falls sie darüber reden möchte. Wenn das Offensichtliche erst einmal ausgesprochen wird, dann fällt alles viel leichter. Das ist bei vielen Tabus so und auch hier. 

Oder sonst kommen Sie zusammen zu unserem nächsten Seminar am 16. Juni. Wir widmen uns dem Thema der inneren Einstellung zu sich selber. Also genau dem, was ich denke, was hier ausschlaggebend ist. Es geht an diesem Abend nicht darum sich einzureden, dass man die Allerschönste ist. Aber ein Stück weit Frieden zu schliessen und sich besser zu akzeptieren. Sich aus einem anderen Blickwinkel sehen und den Fokus nicht immer auf dem haben, was einen an sich stört. Denn Selbstakzeptanz ist der massgebliche Boden für eine weitere Veränderung. Erst wenn man sich so, wie man nun mal ist,  ist halbwegs lieb haben kann, wird der Körper zum Freund, der kooperativ mitarbeitet. Vorher ist jede Diät ein Tropfen auf den heissen Stein und ein guter Grund, für viel Frustration. 

Mit herzlichem Gruss, Ihre Kafi

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