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Liebe Kafi. Wie schaffe ich es, Eifersucht abzuschalten? Und ich meine das in allen Lebenslagen, nicht nur bei meinem Partner (aber auch - die verflixten Exfreundinnen). Und wo liegt die Grenze zwischen Eifersucht und Missgunst? Wie kommt es, dass man manchmal bei engen Freunden, die man liebt, sieht, was sie haben und man selbst nicht, statt sich nur und komplett mit ihnen und für sie zu freuen (lange Beine, besser bezahlter Job, unkompliziertere Beziehung, etc.) - und zufrieden zu sein mit dem was man hat und wer man ist? Und das, obwohl ich mich eigentlich schon als Gutmenschen mit riesiggrossem offenen Herzen bezeichnen würde (und also ich kann mich auch für andere freuen, so ist es nicht!). Und auch als Menschen, der vom Glück gesegnet wurde und nicht wirklich Grund zum Klagen hat. Die ständige Vergleicherei (wars schöner mit der Ex? Ist die Beziehung meiner Freundin glücklicher? Sie hat viel mehr Stil als ich. Sie ist ja so selbstbewusst - stark. Etc.) nervt mich selbst und ich warte seit ich 14 bin, dass ich daraus herauswachse - aber irgendwie... Hm. Merci! Leila, 27

Liebe Leila

Die Ex-Freundinnen-Frage!!! Welche Frau hat sie noch nicht gestellt. Und ich kann Ihnen versichern, dass ich solche kenne, die mindestens doppelt so alt sind wie Sie und diese doofe Frage immer noch stellen. Irgendwie haben wir Frauen ein Gen mit auf den Weg bekommen, dass darauf programmiert ist, uns immer wieder zu hinterfragen. Das ist ja auch nicht weiter tragisch, solange wir uns nicht selber zerfleischen.

Aber dafür braucht es einiges an Selbstakzeptanz und auch Selbstvertrauen. Das hatte ich in Ihrem Alter auch noch nicht. Machen Sie sich drum keinen Stress, wenn Sie es in den letzten 14 (!!!) Jahren noch nicht gebacken gekriegt haben. Schon eher bedenklich ist, dass Sie nach eigenen Angaben mit 13 damit begonnen haben. Aber das ist ein anderes Thema.

Viele Menschen (und vor allem viele Frauen) arbeiten ein Leben lang daran, irgendwie bei sich anzukommen, dass sie solche Zweifel nicht mehr hegen müssen. Das ist kein Prozess, der von heute auf morgen geschieht. Man kann ihn höchstens fördern, indem man sich seiner eigenen Qualitäten bewusst wird. Haben Sie zum Beispiel schon mal eine Liste davon gemacht, was Sie alles an sich mögen? Ich bin überzeugt, dass Sie sofort aus dem Stegreif aufzählen könnten, was Ihnen nicht gefällt, aber das Positive kennt man viel zu wenig. Es lohnt sich wirklich, sich mal damit auseinanderzusetzen. Schreiben Sie alles auf! Charakterliche Vorzüge und liebenswerte Macken und meinetwegen auch optische Qualitäten. Und fragen Sie doch mal Ihre Freundinnen und Eltern und Ihren Freund. Ich bin sicher, es kommt eine stattliche Liste zusammen.

Ich habe diese Übung kürzlich mit einer Coaching-Kundin gemacht und sie auch in meiner neuen Kolumne empfohlen und ich bin immer wieder beeindruckt, wie einfach und dennoch wirksam sie ist! Am besten setzen Sie sich mal einen Abend lang mit Ihrer Freundin zusammen und erarbeiten diese Liste gemeinsam für sich sowie Ihre Freundin. Wenn man einen vertrauten Sparring-Partner hat, fallen einem noch viel mehr Qualitäten ein und Sie werden sich wundern, wofür Ihre Freundin Sie bewundert! Dadurch wird auch der elende Vergleichsmasochismus etwas entkräftet.

Wir sind darauf getrimmt, uns mit unseren Defiziten auseinanderzusetzen. Das fängt im Babyalter an und hört danach nie wieder auf. Viel zu selten loben wir uns einfach mal überschwänglich, ohne dabei ein komisches Gefühl zu haben. Ein gesundes Selbstvertrauen kann aber dort besonders gut gedeihen, wo Selbstliebe und ­Grosszügigkeit sich gegenüber genügend Platz bekommen. Denn so wie Sie die Blüemli auf dem Balkon auch in einen grossen Topf und humusreiche Erde pflanzen, damit diese Wurzeln schlagen und wachsen können, müssen sie auch mit Ihrer Selbstsicherheit umgehen. Und wenn diese gedeiht, werden die Zweifel und quälenden Fragen langsam aber sicher in den Hintergrund rücken. Versprochen!

Alles Liebe und Gute! Ihre Kafi.

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