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Liebe Kafi. Wieder einmal bin ich sehr berührt über Ihre Antwort. Die mich gerade sehr betrifft, ich befinde mich nämlich noch in der Steigerung von Daniels Situation. Vielleicht lässt sich so eine komplexe Angelegenheit auch gar nicht beantworten. Trotzdem hier kurz meine Geschichte: Ich bin geschieden, Mutter von 3 Kindern von 2 verschiedenen Männern. Bei der ersten Scheidung war ich in einer ähnlichen Situation wie Daniel, wnn auch mit " nur" einem Kind. Die neue Beziehung brachte ein paar sehr glückliche Jahre, trotz Patchwork und zwei weiteren Kindern. Trotzdem standen wir nach 2 Paartherapien und intensiven Bemühungen beiderseits nach 7 Jahren vor dem Aus, was ich schlimm fand und finde... Das war vor 3 Jahren. Im vergangenen Sommer fand nun wieder eine Annäherung statt, was mich sehr freute- die aber mit grösseren Schwierigkeiten verbunden war. Nach anfänglichen Glücksgefühlen konnte ich mich einfach nicht mehr richtig einlassen, empfand zwar Liebe, aber eher geschwisterliche Liebe und konnte mich auf grössere Nähe, auch körperliche, kaum einlassen. Dazu kam, dass sich mein ältester mit Vehemenz gegen eine neue Verbindung wehrte und die beiden Jüngeren über die erneute Veränderung der Situation ebenfalls verunsichert waren und Kopf standen. Mich brachte das Ganze ziemlich an den Rand einer Erschöpfung. Nun trat ein " rettender Ritter" auf den Plan in Form eines langjährigen entfernten Freundes, der sich rasant näherte und mich inkl Kinderschar zu "retten" gedachte...in den ich mich verliebte, jedoch schrillen die Alarmglocken immer wieder. Jetzt sollte ich mich entscheiden und würde mich am liebsten von beiden trennen, vielleicht um einer Entscheidung aus dem Weg zu gehen, oder um erstmal meinen inneren Kram aufzuräumen. Doch die vergangene ( harte) Zeit allein mit den Kindern macht mir ehrlich gesagt Angst. Was ja aber auch keine Grundlage sein kann für oder gegen eine Beziehung. Angst ist ja ein schlechter Ratgeber.. Und was ich insbesondere nicht mehr will, ist mir selber auf Kosten von irgendjemand anderem davonzulaufen. Und da sind ja auch die Kinder.. Die Fäden laufen im Moment kreuz und quer in meinem Nähkorb.. Wenn Sie ev einen roten darin erblicken und mir zeigen können, bin ich Ihnen sehr dankbar! Alles liebe. Steffi, 39

Liebe Steffi

Danke für Ihre Frage, die Ferienhalber etwas auf Beantwortung warten musste. Gut möglich, dass Sie inzwischen einen roten Faden finden konnten, manchmal ist es schon hilfreich, wenn man den Faktor Zeit etwas für sich arbeiten lässt.

Als Steigerung von Daniels Situation würde ich die Ihre nicht ansehen, da reicht es nicht, dass mehrere Männer und Kinder mit im Spiel sind. Wo ich allerdings eine Parallele erkennen kann, ist in der Tatsache, dass Sie hoffen, dass ich aufgrund von einer Frage mit 21 Sätzen, Ihre Probleme lösen kann. Aber das kann ich leider nicht. Und ich könnte es auch nicht, wenn Sie mir Ihre Lage mit 210 Sätzen beschreiben würden. Es wäre nicht seriös und würde einen ganzen Berufsstand von Profis ins lächerliche ziehen.

Sie stecken irgendwo fest zwischen halb abgeschlossener Beziehung und dem Wunsch, sich retten zu lassen und wissen nicht mehr ein noch aus, und dann sind da auch noch Kinder, die automatisch in das Ganze involviert sind. Ich verstehe gut, dass Sie sich da wie in einem unaufgeräumten Nähkorb fühlen, mir würde es mit Sicherheit nicht anders gehen. Darum scheint es mir wichtig, dass Sie sich genügend Raum und Zeit nehmen, um einmal genau hinzusehen und hinzufühlen. Vielleicht wäre es dafür sinnvoll, sich eine Zeit lang von allen Mannsbildern etwas zurückzuziehen. Eine professionelle Begleitung wäre auf jeden Fall ratsam.

Das Leben ist manchmal wie eine Wanderung auf unwegsamen Gelände. Da ist es hilfreich, wenn man jemanden hat, der ein Stück weit neben einem hergeht und eine Hand reichen kann, wenn man über grössere Felsen steigen muss. Wegräumen wird sie Ihnen aber niemand, das müssen Sie ganz alleine schaffen. Darum wäre ich auch skeptisch, wenn sich auf dem Weg ein Ritter anerbietet, Sie auf seinem weissen Pferd um alle Hindernissen herumzumanövrieren.

Hürden, die man nicht selber bezwungen hat, stellen sich einem immer wieder in den Weg.

Alles Gute und Liebe. Ihre Kafi.

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