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Liebe Kafi Wo liegt die Grenze zwischen Zivilcourage und Besserwisserei? Zivilcourage wird ja gerne hoch gelobt und ich bemühe mich auch, mich nicht in der Anonymität des urbanen Lebens oder hinter der "Geht mich nichts an"-Haltung zu verstecken, wenn jemand seinen Hund verprügelt o.ä.. Es gibt aber so viele Situationen, wo ich mich frage, ob es mich nun etwas angeht oder nicht. Wenn eine Mutter ihr Kind zu hart bestraft, wenn jemand seinen Müll auf den Boden wirft, wenn jemand im Bus rechte Parolen verlauten lässt. Ich bin mir oft nicht sicher, wo "leben und leben lassen" gilt, und wo es richtig und wichtig ist, seinen Mund aufzumachen oder zu handeln und zu zeigen, dass es andere Meinungen gibt oder dass man nicht einverstanden ist. Hast du eine Hilfestellung? Corinna, 34

Liebe Corinna

Das ist nun wirklich eine anspruchsvolle und verzwichkte Frage, die ich auch nach längerem Nachdenken nicht wirklich befriedigend beantworten kann. Zumal die Grenze zwischen dem nötigen Einmischen und dem unnötigen tatsächlich hauchdünn sein kann, gopf!

Trotzdem bin ich auf eine Formel gekommen, die das Pferd zwar von schräg unten aufzäumt, aber dennoch eventuell was Wahres haben könnte. Wenn man sich selber die Frage stellt, ob das nun Zivilcourage oder Besserwisserei ist, wenn man sich einmischt, dann handelt es sich vermutlich um einen Akt der Courage. Weil meiner Erfahrung nach typische Besserwisser nicht reflektiert genug sind, um sich überhaupt Gedanken zu machen über solche Fragestellungen. Sollte Ihnen dieser Rat zu schwammig sein, so halten Sie sich halt an Konstantin Wecker und seine besungenen Beispiele.

In diesem Sinne: Mischen Sie sich weiter ein. Beherzt und mit gesundem Menschenverstand. Danke!

Ihre Kafi.

 

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